Die Untersuchungen von ARD und ZDF zum Mediennutzungsverhalten heben die geringe Akzeptanz des Internet-Rundfunks hervor, die er nach 10 Jahren des öffentlich-rechtlichen Angebots hat:

Lt. Massenkommunikationsstudie 2005 (media perspektiven 9/05 S. 426ff) nutzen 88 bzw. 95% der bundesdeutschen Bevölkerung mehrmals in der Woche Radio bzw. TV. In der erheblich kleineren Gruppe der Online-Nutzer nutzen lediglich 11% Radio-, bzw. 2% TV-Streams wenigstens einmal die Woche (ARD/ZDF-Onlinestudie 2007). Dem stehen 76% der Online-Nutzer gegenüber (media perspektiven 8/06 S. 411), die noch nie versucht haben, einen Radio-Stream abzurufen.

Leider wird in keiner Studie gefragt, in welchem Kontext der Online-Abruf erfolgt, z.B. als Reaktion auf Hinweise – „Details finden Sie auf unserer Internet-Seite www.xyz.de“ – in klassischen Empfangsgeräten. Aufgrund des Booms auf Videoportale wie z.B. „YouTube“ verwundern die vergleichsweise niedrig ausgewiesenen Werte dieser Übertragungsformen. Daraus ergibt sich die Frage, ob den Befragten der Unterschied zwischen „Podcast“, „Vodcast“ und „live im Internet fernsehen/radiohören“ transparent ist. Denn «man kann Podcasts als Radio- oder Fernsehsendungen auffassen» (s. Wikipedia: Podcast, Stand: 16-07-2007). Wieviele der in der Studie erfassten Streams also überhaupt echte Livestreams gewesen sind, ist nicht eindeutig feststellbar.

Einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung von Breitbandinternet und Rundfunknutzung über das Netz und damit eine günstige Zukunftsprognose, widerlegen die erhobenen Zahlen. In den zitierten Studien stieg der Anteil der Breitbandnutzer zwischen 2003 und 2007 von 24 auf 59%, Radiolivestreams von 7 auf 11%, TV-Streams stagnierten jedoch bei 2%. Dass die Livestream-Nutzer zu 35% den Studien zufolge als «Junge Hyperaktive» einzustufen sind, die jedoch nur 8,1% der Internet-Nutzer stellen (media perspektiven 8/06 S. 441), untermauert, dass die Angebote offenkundig nicht von Arbeitnehmern bzw. während der Arbeit genutzt werden, sondern als „Freizeitangebote“ eingestuft werden können.

Die Zahlen zeigen auch, dass meine beruflich bedingte Nutzung eines PCs mit Internetanschluss keine Zustimmung zur Teilnahme am Rundfunk impliziert, wie sie bei klassischen Rundfunkempfangsgeräten statistisch untermauert angenommen werden kann. Bei beruflichen Fragen zur Programmierung, Gestaltung oder Entwicklung von Webseiten, etc., fehlt eine Relevanz von Rundfunksendungen.

Mit den ordnungsgemäß angemeldeten Geräten meines Haushalts kann ich meinen „öffentlich-rechtlichen“ Informationsbedarf in meiner Freizeit hinreichend befriedigen. Wobei die veränderten Strukturen der öffentlich-rechtlichen Sender es mir immer unmöglicher machen, das Informationsangebot wahrzunehmen. Politische, informative und Sendungen abseits der Massenware – die hinreichend von „den Privaten“ angeboten wird – wandern immer mehr ins Nachtprogramm und/oder müssen Unterhaltungsveranstaltungen weichen, die als Konkurrenzangebote gegen die Privatsender aufgestellt werden.

Eingriff in meine Handlungs- und Informationsfreiheit

Artikel 2 des Grundgesetzes garantiert jedem «die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit», was als allgemeine Handlungsfreiheit übersetzt wird. Artikel 5 sichert jedem das Recht auf Meinungsfreiheit zu, sowie die Möglichkeit, sich aus öffentlich zugänglichen Quellen zu informieren.

Bei einer Zeitung habe ich die Wahl, ob ich ein Abonnement kaufe oder nicht. Der Zugang zum Internet ist durch die PC-Gebühr mit Kosten für ein unkündbares, unbestelltes, unerwünschtes, gegen meinen Willen aufgezwungenes „öffentlich-rechtliches Abonnement“ gekoppelt. Damit wird mein freier Zugang und die freie Wahl „anderer“ Informationsanbieter eingeschränkt. Bereits der reine Kontakt zu Kunden und Geschäftspartnern provoziert die Gebühr. Die freie Willenserklärung „kein Rundfunk/Fernsehen am Arbeitsplatz“ wird ohne Erfordernis gebeugt und mit einer Pflichtzahlung belegt.

Wenn ich am Arbeitsplatz Rundfunk empfangen wollte,…

  • …, würde ich mir ein speziell dafür entwickeltes Gerät kaufen. Neben optimaler Empfangs- und Wiedergabequalität fallen neben der erhobenen Rundfunkgebühr keine zusätzlichen Übertragungskosten an. Auch wird die mir verfügbare Internet-Bandbreite nicht geschmälert. Ein spezialisiertes Gerät wäre bereits kurzfristig kostengünstiger, weil drastisch geringere Betriebskosten anfallen.
  • …, könnte ich dies über eine TV/Radio-Karte am PC tun. Qualität und Bequemlichkeit würden etwas herabgesetzt. Die Leistungsfähigkeit meines Arbeitsplatzes würde gemindert, es käme womöglich zu Störungen der Arbeitsabläufe. Dies wäre die zweitbeste Möglichkeit.

Ich habe mich jedoch bewusst gegen beide Varianten entschieden, denn Fernsehen während der Arbeit ist unmöglich, Radio nervt mit geschwätzigen Moderatoren, Werbung und nicht ansprechendem, deprimierend kleinem Musikrepertoire.

Nachdem ich mich gegen die sowohl ökonomisch als auch qualitativ besseren Varianten entschieden habe, wird mir mit Erhebung der PC-Gebühr unterstellt, dass ich statt dessen Rundfunk über das Internet empfangen möchte. Obwohl die Empfangsqualität im Radiobereich geringer, im Fernsehbereich signifikant schlechter bis unbrauchbar ist. Es wird unterstellt, für diese minderwertige Veranstaltung würde ich eine Reduktion der verfügbaren Internet-Bandbreite und Rechenleistung meiner PCs freudig hinnehmen. Dieses Verhalten wäre völlig irrational und ist durch die von den Sendern selbst vorgelegten Zahlen empirisch unhaltbar. Aber: